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In Greifhöhe und Ergonomie investiert

Statt seine Möbelfronten weiterhin nur vom Boden aus zu kommissionieren, hat der Küchenhersteller Nolte in einen Vertikalkommissionierer und ein Schmalganglager von Jungheinrich investiert. Und damit in Greifhöhen bis zur achten Ebene. Das modifizierte Lastteil des Geräts erlaubt es, barrierefrei und dadurch besonders materialschonend und ergonomisch zu arbeiten.

Ein EKS 312 der Firma Jungheinrich im Schmalganglager des Küchenherstellers Nolte in Melle-Bruchmühlen.
Ein EKS 312 unterwegs im Lager des Küchenherstellers Nolte.

Der Vertikalkommissionierer EKS 312 fährt mit seinen Gabeln unter einen der leeren Frontenwagen, die im Logistikzentrum der Nolte Küchen GmbH & Co. KG in Melle-Bruchmühlen als Ladungsträger für Möbelfronten dienen. Eckhard Windel, Mitarbeiter der Betriebstechnik des Unternehmens, beobachtet den Vorgang. „Früher haben wir vom Boden aus kommissioniert. Von dort waren aber bloß drei Regalebenen erreichbar, zur vierten sind wir über eine verschiebbare Podestleiter hochgestiegen.“

Barrierefreie Verbindung

Schon vor der Investition in den Vertikalkommissionierer und das Lager sind rund 1.300 anwenderspezifische Frontenwagen im Umlauf gewesen. Deshalb wollte Nolte sie nicht durch andere, an den EKS 312 angepasste ergänzen, sondern den umgekehrten Weg gehen. Eckhard Windel: „Die Wagen sind exakt auf unsere Abläufe zugeschnitten. Sie transportieren bis zu 50 Fronten mit verschiedensten Dekoren und Abmessungen gleichzeitig zu ihren Zielen, ohne die Teile unterwegs umpacken müssen. Dabei stehen die Fronten senkrecht zwischen gepolsterten Abtrennungen.“

Jetzt hebt der EKS 312 den 850 mal 1.600 mal 1.800 Millimeter großen Frontenwagen (Tiefe mal Breite mal Höhe) mit seinem Zusatzhub an. Damit der Wagen nicht seitlich wegkippt oder nach vorn von der Gabel rutscht, hat Jungheinrich an beiden Außenseiten des Lastteils Niederdruckhalter angebracht. Realisiert wurde dies, wie alle anderen Cust- und Sonderlösungen für den Systembereich, im Jungheinrich-Werk Moosburg, im dem auch der EKS 312 hergestellt wird.

Wird der hydraulisch betriebene Zusatzhub aktiviert, bewegt er den Wagen gegen die Niederdruckhalter und arretiert ihn. Eckhard Windel drückt gegen den Wagen, um zu beweisen, dass die Lösung funktioniert. „Der Vertikalkommissionierer kann die Wagen, ohne die Hilfe einer Hubstation, ebenerdig und somit flexibel überall in der Halle aufnehmen. Zudem ist er in der Lage, das Bodenniveau der Wagen, das 65 Millimeter unter dem der Arbeitsplattform des Gerätes liegt, durch den Zusatzhub auf dieselbe Höhe zu heben und so beide Bereiche barrierefrei zu verbinden. Angesichts dieser Vorteile fällt es leicht, die Fronten materialschonend zu kommissionieren.“

Der Weg eines Jungheinrich-EKS-312 entlang der Regale des Schmalganglagers der Firma Nolte.
Der EKS 312 ist in der Höhe extrem flexibel.

RFID-Bodensteuerung mit Transpondern

Der EKS 312 fädelt in eine der sieben Gassen des Schmalganglagers ein, das mit etwa 4.300 Palettenplätzen ausgestattet ist. Induktiv geführt fährt er in der rund 56 Meter langen und 1,95 Meter breiten Gasse den ersten Pickplatz an, den das Lagerverwaltungssystem via Datenfunk vorgegeben hat. Hierbei misst die integrierte, auf Transpondertechnologie basierende RFID-Bodensteuerung permanent den Weg des mit einer Personenschutzanlage ausgerüsteten Vertikalkommissionierers und erkennt exakt alle Lagerbereiche. Zu den weiteren Möglichkeiten der Technologie, die Nolte derzeit nur teilweise ausschöpft, zählen Gangendsicherungen, Hub- und Fahrabschaltungen, Geschwindigkeitsreduzierungen sowie Fahrgeschwindigkeitsprofile, die sich in Bezug auf die Bodentopologie einstellen lassen.

Eckhard Windel: „Falls wir das Kommissionierlager einmal vergrößern sollten, wäre es denkbar, auch die RFID-Lagernavigation von Jungheinrich einzusetzen.“ In dem Fall würde der EKS 312 nicht nur mit dem Boden, sondern ebenso mit dem Lagerverwaltungssystem kommunizieren. Die Software könnte die Position des Geräts dann jederzeit genau definieren und das Fahrzeug automatisch mit optimaler Geschwindigkeit und niedrigstem Energieeinsatz zum jeweiligen Pickplatz navigieren. Eine Lösung, durch die sich die Umschlagleistung um bis zu 25 Prozent steigern ließe.

Ergonomisch absolut positiv

Am Stellplatz scannt der Bediener, wie bei allen Lagerspielen, dessen Nummer ein und schafft damit eine wesentliche Voraussetzung dafür, die von Nolte erreichte Null-Fehler-Kommissionierung nachhaltig zu sichern. Die große, viel Kopffreiheit bietende Kabine erleichtert es, die Teile aus dem Regal zu nehmen und auf den Frontenwagen zu stellen. Da die Sonderausführung des EKS 312 ohne Pultwand auskommt, steht beim Kommissionieren der Fronten kein Hindernis im Weg, über das sich der Mitarbeiter beugen müsste. Ein Vorteil, der die Bandscheiben spürbar entlastet. „Das Fahrzeug ist unter ergonomischen Gesichtspunkten absolut positiv zu bewerten“, betont Windel. „Hervorheben möchte ich auch das Bedienpult, dessen Höhe auf Personen mit eineinhalb bis zwei Meter Größe eingestellt werden kann.“ Für Sicherheit ist ebenfalls gesorgt. Sie beruht zum Beispiel auf freier Sicht durch das Panorama-Hubgerüst, die der Bediener nutzt, wenn er mit der Last im Rücken fährt, sowie auf dem nur 245 Millimeter hohen und somit tiefsten Einstieg dieser Geräteklasse.

„Zurzeit kommissionieren wir in acht Ebenen bis zu einer Greifhöhe von 6,2 Meter.“ Windel deutet nach oben. „Im Hinblick auf Erweiterungen haben wir den Vertikalkommissionierer für zehn Ebenen und eine Greifhöhe von acht Meter auslegen lassen. Das Lager ließe sich entsprechend ausbauen. Ein Punkt, der für die Auftragsvergabe an Jungheinrich mitentscheidend war. Denn wir legen Wert auf Flexibilität, um problemlos auf neue Anforderungen reagieren zu können.“

Kommissionierer der Firma Jungheinrich beim Einsatz im Lager von Nolte.
Die Bauweise der Flurförderzeuge von Jungheinrich hilft dabei, den vorhandenen Raum des Lagers besser auszunutzen.

Starke Leistung bei sparsamem Energieverbrauch

Nachdem der Kommissionierlauf abgeschlossen ist, fährt der EKS 312 aus der Gasse. Dabei schaltet er, durch Transponder gesteuert, zweieinhalb Meter vor dem Gangende auf Schleichfahrt um. Den Frontenwagen setzt das Gerät auf einem der Übergabeplätze ab, die stirnseitig vor der Regalanlage eingerichtet worden sind. Bewegt sich das Flurförderzeug ohne angedockten Wagen, ist seine Hubhöhe aus Sicherheitsgründen auf 1,2 Meter begrenzt. Im Schmalganglager kommissioniert Nolte als C-Artikel eingestufte Fronten in Abmessungen zwischen 25 mal 60 und 60 mal 135 Zentimeter. Sie wiegen bis zu 16 Kilogramm. Die Wagen selbst haben ein Leergewicht von 75 Kilogramm. Voll beladen kommen sie auf maximal 850 Kilogramm.

Der mit einer Tragkraft von 1.200 Kilogramm und einem Wenderadius von 1.650 Millimetern versehene EKS 312 nimmt auf dem Lagervorfeld wieder einen leeren Frontenwagen auf. Basierend auf der Jungheinrich-Drehstromtechnik der vierten Generation ist es gelungen, ein Flurförderzeug mit starker Beschleunigung und hoher Hubgeschwindigkeit bei sehr sparsamem Energieverbrauch zu entwickeln. Das Gerät, das seinen Betrieb im August 2010 aufgenommen hat, ist für Hubhöhen bis 9,5 Meter konzipiert und erzielt aufgrund des Sonderlastteils eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit von sieben Kilometern in der Stunde. Eckhard Windel: „Durch die Investition in den Vertikalkommissionierer und das Schmalganglager profitieren wir von einem höheren Raumnutzungsgrad. Ein Vorteil ist auch die hohe Verfügbarkeit des Fahrzeugs von nahe 100 Prozent.“

  Mithilfe des EKS 312 kommissioniert Nolte täglich etwa 20 Frontenwagen. Damit lastet er das Gerät im achtstündigen Ein-Schicht-Betrieb weitgehend aus. Deshalb, und weil er die Batterie während der Schicht nicht wechseln möchte, ist das effiziente Energie- und Batteriemanagement des Flurförderzeugs ebenfalls ein entscheidendes Auswahlkriterium gewesen. Der äußerst geringe Energieverbrauch entsteht unter anderem durch einen besonders niedrigen Innenwiderstand im gegossenen Hydraulikblock der Fahrzeug-Kompakthydraulik.

Ein Mitarbeiter der Firma Nolte auf einem Jungheinrich-Vertikal-Kommissionierer vom Typ EKS 312.
Zusatzhub und lange Batterielaufzeit sind die entscheidenden Kriterien für die Wahl des EKS 312 gewesen.

Zusatzhub als ausschlaggebender Faktor

„Als Alternative zu dem Schmalganglager hatten wir zunächst eine Verschieberegalanlage in Betracht gezogen“, erläutert Windel. „Diese Lösung hätte den Nachteil, dass immer nur zwei Gassen im Zugriff wären. Zudem hätten wir den Hallenboden unter den Schienen durch Streifenelemente verstärken müssen, um punktuelle Belastungen zu vermeiden.“ Gegen Verschieberegale hat überdies die Forderung gesprochen, die Halle flexibel nutzen zu wollen und mit dem Kommissionierlager gegebenenfalls umziehen zu können. Wegen seiner Schwenkschubgabel ist für diese Aufgabe auch kein Elektro-Kommissionier-Dreiseitenstapler aus der EKX-Reihe von Jungheinrich anstelle des EKS 312 in Frage gekommen. Andernfalls hätte man die durchgängigen, auf die Frontenwagen ausgerichteten Abläufe unterbrochen. Das gewählte Konzept verlangt aber nach kontinuierlichen Prozessen.

Eckhard Windel geht ein paar Schritte zur Seite und macht einem Horizontalkommissionierer ECE 220 Platz, der mit längeren Gabeln ausgestattet ist. „Insgesamt setzen wir 25 Flurförderzeuge von Jungheinrich ein.“ Ein Beispiel dafür sind die Horizontalkommissionierer. Sie holen die Möbelfronten, die sortenrein auf Flachpaletten liegen, aus einem Vorlager. Außerdem transportieren sie jeweils bis zu drei beladene Frontenwagen gleichzeitig in die Frontenvormontage. Als weiteres Fahrzeug ist ein Schmalgangstapler EKX 410 hervorzuheben, der täglich rund 30 Nachschubpaletten ins Kommissionierlager stellt.

„Für Jungheinrich als Lieferanten haben wir uns vor allem aufgrund der langen Batterielaufzeit des Vertikalkommissionierers und wegen seines Zusatzhubs entschieden“, so Windel. „Die Lösung mit dem Zusatzhub haben wir gefordert, und Jungheinrich ist so flexibel gewesen, sie umzusetzen.“

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