Was passiert, wenn die eigene Art zu kommunizieren und zu arbeiten auf ein völlig neues Umfeld trifft? Während seines zweijährigen Einsatzes in Houston hat Ludwig Herzog gelernt, wie kulturelle Unterschiede die Zusammenarbeit prägen – und warum genau darin eine große Chance liegt.
Offenheit schafft Vertrauen. Eine positive und zugewandte Kommunikation kann Zusammenarbeit spürbar erleichtern.
Unterschiedliche Arbeitsweisen sind eine Lernchance. Wer bereit ist, andere Perspektiven kennenzulernen, erweitert den eigenen Blick auf Aufgaben und Lösungen.
Klarheit schafft Sicherheit. Je unterschiedlicher Kommunikationsstile sind, desto wichtiger ist es, Erwartungen abzugleichen und Missverständnisse zu vermeiden.
Internationale Zusammenarbeit ist bei Jungheinrich fester Bestandteil des Arbeitsalltags – in Projekten, Teams und bei Einsätzen im Ausland. Sie bringt unterschiedliche Standorte und Perspektiven zusammen und schafft so die Grundlage für Innovation und Weiterentwicklung. Gleichzeitig treffen verschiedene Erwartungen und Arbeitsweisen aufeinander – und genau daraus können Missverständnisse entstehen. Häufig liegen die Ursachen nicht in fehlender Fachkenntnis, sondern in unterschiedlichen kulturellen Prägungen oder Kommunikationsstilen.
Hier setzt interkulturelle Kompetenz an: Sie bedeutet, Unterschiede wahrzunehmen, einzuordnen und konstruktiv damit umzugehen. Entscheidend ist dabei weniger Theorie als gelebtes Verhalten – etwa aktives Zuhören, das Hinterfragen eigener Annahmen und ein offener, respektvoller Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven. Damit ist interkulturelle Kompetenz ein zentraler Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit eines global vernetzten Unternehmens wie Jungheinrich. Denn wenn wir kulturelle Prägungen und Arbeitsweisen als Ressource verstehen, können wir Zusammenarbeit stärken, mit Spannungen konstruktiv umgehen und gemeinsam bessere Lösungen entwickeln – über Länder- und Organisationsgrenzen hinweg.
Gerade Auslandseinsätze bieten eine wertvolle Möglichkeit, interkulturelle Kompetenz praktisch zu entwickeln: Sie fördern den direkten Austausch, schaffen ein tieferes Verständnis für andere Arbeitsweisen und machen Vielfalt im Alltag erlebbar.
Wie prägend diese Erfahrungen sein können, hat Ludwig Herzog während seines zweijährigen Einsatzes in Houston, Texas, erlebt. Nach sieben Jahren am Standort Moosburg wechselte er Ende 2023 für ein Projekt in die USA. Dort unterstützte er ein Projekt im Umfeld von Rocrich, dem Joint Venture zwischen Jungheinrich und Logisnext Americas, und übernahm Verantwortung beim Aufbau eines Product-Support-Prozesses für den nordamerikanischen AGV-Markt.
Ludwig Herzog: Nach sieben Jahren am Standort Moosburg war es für mich eine große Chance, noch einmal etwas völlig Neues zu machen. Jungheinrich hat mir mit dem Auslandseinsatz in Houston die Möglichkeit gegeben, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln und gleichzeitig in einem internationalen Umfeld Verantwortung zu übernehmen.
Kurz vor dem Jahreswechsel 2023 ging es los: intensive Vorbereitung, viele neue Themen – und schließlich der Start in ein für mich völlig neues Arbeitsumfeld in Texas.
Dort wartete ein zukunftsorientiertes Projekt im Umfeld von Rocrich, dem Joint Venture zwischen Jungheinrich und Logisnext Americas. Meine Aufgabe war der Aufbau eines Product-Support-Prozesses und einer technischen Hotline für den nordamerikanischen AGV-Markt.
Neben den fachlichen Themen war aber auch das tägliche Miteinander eine wichtige Erfahrung für mich. Denn obwohl wir alle an ähnlichen Zielen gearbeitet haben, sind wir teilweise ganz unterschiedlich an Aufgaben und Kommunikation herangegangen.
Vor allem die Freundlichkeit und Offenheit sind mir sofort aufgefallen. Kommunikation ist sehr präsent – auch in Situationen, in denen ich sie aus Deutschland vielleicht gar nicht erwartet hätte.
Ich war zum Beispiel überrascht, wie selbstverständlich positive und spontane Kommentare von völlig fremden Menschen im Alltag sind – etwa an der Supermarktkasse oder im Kontakt mit Servicepersonal. Das wirkt zunächst wie eine Kleinigkeit, verändert aber die Atmosphäre im Miteinander.
Diese Erfahrung habe ich auch im Arbeitsalltag gemacht. Eine positive Grundhaltung und die Bereitschaft, offen aufeinander zuzugehen, machen es leichter, miteinander ins Gespräch zu kommen und Vertrauen aufzubauen.
Für mich war das eine wichtige Erkenntnis: Freundlichkeit und Wertschätzung sind nicht nur eine Frage des persönlichen Umgangs. Sie können auch ganz konkret dabei helfen, Zusammenarbeit einfacher und konstruktiver zu gestalten.
Ich bin selbst eher struktur- und planungsorientiert geprägt. In meinem Arbeitsumfeld in den USA habe ich dagegen teilweise eine deutlich flexiblere Herangehensweise erlebt.
Am Anfang war das für mich ungewohnt. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, wie hilfreich diese Flexibilität sein kann – gerade dann, wenn sich Rahmenbedingungen schnell ändern oder pragmatische Lösungen gefragt sind.
Gleichzeitig habe ich gelernt, dass unterschiedliche Kommunikationsstile auch zu Missverständnissen führen können.
Aussagen wie „Sounds good“ oder „We'll take care of it“ habe ich anfangs teilweise verbindlicher interpretiert, als sie tatsächlich gemeint waren. Für mich war eine solche Aussage zunächst schnell eine konkrete Zusage. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, genauer hinzuhören und bei wichtigen Punkten noch einmal nachzufragen.
Das klingt vielleicht nach einer kleinen Veränderung. Tatsächlich hat es meinen Umgang mit Kommunikation aber nachhaltig beeinflusst.
Ich gehe heute bewusster mit Kommunikation und Zusammenarbeit um. Ich frage häufiger nach, gleiche Erwartungen aktiv ab und verlasse mich weniger auf implizite Annahmen.
Gerade in internationalen Teams ist es aus meiner Sicht wichtig, sich nicht darauf zu verlassen, dass alle dieselben Dinge unter bestimmten Begriffen oder Aussagen verstehen. Was für die eine Person eindeutig ist, kann für eine andere ganz anders gemeint sein.
Gleichzeitig habe ich gelernt, unterschiedliche Arbeitsweisen nicht sofort zu bewerten. Meine erste Reaktion auf eine sehr flexible Herangehensweise war teilweise: „Warum planen wir das nicht genauer?“ Heute frage ich mich eher: „Was können wir aus dieser Herangehensweise lernen?“
Das hat meinen eigenen Blick auf Zusammenarbeit verändert.
Internationale Einsätze verbinden Wissen, Erfahrungen und Perspektiven über Ländergrenzen hinweg. Sie schaffen ein besseres Verständnis für unterschiedliche Märkte, Kundenanforderungen und Arbeitsweisen.
Für mich persönlich war aber vor allem die Erfahrung wertvoll, die eigene Arbeitsweise einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn man sich über einen längeren Zeitraum in einem anderen Umfeld bewegt, merkt man, dass viele Dinge, die man selbst für selbstverständlich hält, eben nicht selbstverständlich sind.
Genau darin liegt für mich der größte Mehrwert kultureller Vielfalt: Nicht jeder muss gleich arbeiten oder denken. Im Gegenteil. Unterschiedliche Perspektiven können dabei helfen, bessere Fragen zu stellen, neue Lösungen zu finden und die eigene Sichtweise weiterzuentwickeln.
Wenn die persönliche Situation es zulässt, kann ich deshalb nur empfehlen, die Chance zu nutzen, im Ausland zu leben und zu arbeiten. Es ist eine Erfahrung, die fachlich viel bewegt – und persönlich mindestens genauso viel.