Kann Elektromobilität auch im Schwerlastbereich überzeugen? Unser FalcOn zeigt, wie elektrische Antriebe neue Leistungsbereiche in der Intralogistik erschließen.
Schwere Lasten, lange Einsatzzeiten und hohe Leistungsanforderungen: In vielen anspruchsvollen Anwendungen gelten Verbrenner nach wie vor als erste Wahl. Gleichzeitig stellt sich die Frage, in welchem Umfang moderne Elektromobilität diese Einsatzbereiche heute bereits abdecken kann.
Mit unserem Entwicklungsprojekt FalcOn haben wir eine Antwort darauf gegeben. Innerhalb von acht Monaten entstand ein fahrfähiger Hochvolt-Schwerlaststapler, der zeigt, welches Potenzial elektrische Antriebstechnologie heute bereits in anspruchsvollen Einsatzprofilen entfalten kann.
Die Elektrifizierung der Intralogistik schreitet seit Jahren voran. In vielen Bereichen haben sich elektrische Fahrzeuge gegenüber Verbrennern bereits als leistungsfähigere und wirtschaftlichere Lösung etabliert. Besonders anspruchsvolle Einsatzprofile – etwa in der Getränkeindustrie, der Baustofflogistik oder anderen Schwerlastanwendungen – werden jedoch noch häufig von verbrennungsmotorischen Fahrzeugen dominiert.
Die Anforderungen sind hoch: schwere Lasten, intensive Mehrschichtbetriebe, lange Einsatzzeiten und oftmals herausfordernde Umgebungsbedingungen. Genau hier wollten wir ansetzen.
„Mit dem FalcOn wollen wir zeigen, dass elektrische Stapler auch in den härtesten Einsatzprofilen eine echte Alternative zum Verbrenner sein können“, sagt Andreas Schiller, Global Portfolio Lead Counterbalance Heavy Trucks.
Für uns stand dabei nicht allein die Entwicklung eines leistungsfähigen Fahrzeugs im Vordergrund. Vielmehr wollten wir verstehen, wie sich moderne Hochvolt-Technologie nutzen lässt, um Produktivität, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden.
Von Beginn an war FalcOn als fokussiertes Entwicklungsprojekt angelegt. Statt großer Projektstrukturen setzten wir auf ein kleines, interdisziplinäres Team, kurze Entscheidungswege und einen klaren Fokus auf die wesentlichen technischen Fragestellungen.
Das Ergebnis: Bereits rund vier Monate nach Projektstart stand ein fahrfähiges Fahrzeug für erste Tests zur Verfügung. Nach insgesamt acht Monaten war die Inbetriebnahme weitgehend abgeschlossen und die Optimierungsphase gestartet.
Parallel dazu arbeiteten die Teams kontinuierlich an Softwareentwicklung, Systemintegration und Erprobung. Für uns zeigt das Projekt eindrucksvoll, wie viel Geschwindigkeit möglich ist, wenn technische Expertise, klare Ziele und agile Zusammenarbeit zusammenkommen.
Eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt lautet: Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch einzelne Komponenten, sondern durch ihr Zusammenspiel.
Deshalb wurde FalcOn von Beginn an als integriertes Gesamtsystem entwickelt. Im Mittelpunkt steht eine Hochvolt-Architektur, die Batterie, Leistungselektronik, Antrieb und Thermomanagement optimal miteinander verbindet.
Alle zentralen Komponenten werden aktiv wassergekühlt. Dadurch bleibt die Leistungsfähigkeit auch bei hoher Dauerbelastung stabil verfügbar – ein entscheidender Faktor für anspruchsvolle Schwerlastanwendungen.
„Entscheidend ist nicht allein die Höhe der Spannung, sondern das Zusammenspiel aller Komponenten“, erklärt Dr. Jasper Schnack, Projektleiter der Entwicklung des FalcOn.
Gerade dieses Systemdenken sehen wir als wichtigen technologischen Hebel, um elektrische Antriebe in neue Leistungsbereiche vorzubringen.
FalcOn ist kein Technologiedemonstrator für das Labor. Das Fahrzeug wurde konsequent mit Blick auf reale Einsatzbedingungen entwickelt.
Mit einer Tragfähigkeit von bis zu 6.000 Kilogramm und einem Lastschwerpunkt von 600 Millimetern ist er konsequent auf hohe Umschlagsleistung ausgelegt und adressiert typische Anforderungen im Schwerlastbereich.
Ein weiterer zentraler Faktor ist die Schnellladefähigkeit. Über eine CCS-2-Schnittstelle kann das Fahrzeug in rund 30 Minuten von etwa 20 auf 80 Prozent geladen werden – ein klarer Vorteil für Anwendungen mit kurzen Standzeiten.
Für Anwender bedeutet das vor allem eines: hohe Umschlagleistung bei gleichzeitig kurzen Ladezeiten und hoher Fahrzeugverfügbarkeit. Gerade in Mehrschichtbetrieben können diese Faktoren entscheidend sein.
Innovation entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie im täglichen Betrieb überzeugt. Deshalb wurde FalcOn gezielt für reale Einsatzbedingungen ausgelegt – sowohl im Innen- als auch im Außeneinsatz, bei hoher Taktung und unter anspruchsvollen Umgebungsbedingungen.
Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse zeigen, welches Potenzial Hochvolt-Technologien künftig für die weitere Elektrifizierung schwerer Flurförderzeuge bieten können.
Puristisch, visionär und innovativ – die Edelstahl-Optik des neuen FalcOn ist bewusst mehr als nur ein visuelles Statement. Im Fokus stand von Beginn an die Überzeugungskraft der Technologie, nicht die reine Gestaltung. Die markante, reduzierte Formensprache ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Prototypenbau – eine gemeinsame Entscheidung, die den Anspruch an Funktionalität und Zukunftsfähigkeit unterstreicht.
Das Ergebnis: ein Fahrzeug, das seine technische Stärke auch visuell selbstbewusst transportiert. Oder wie Dr. Jasper Schnack es treffend formuliert: „Es sieht einfach wahnsinnig stark aus.“
Die auffällige Edelstahl-Optik wurde dabei bewusst für die Messe-Präsentation eingesetzt – ein starker Auftritt für die Inszenierung. In der Serie kehrt der FalcOn hingegen zum charakteristischen Jungheinrich Gelb zurück und bleibt damit klar und wiedererkennbar.
Der Name FalcOn ist inhaltlich vom Falken inspiriert – einem Tier, das für Präzision, Kraft und Geschwindigkeit steht – und wird künftig als EFG-Baureihe 6 im Markt positioniert.
Für uns ist FalcOn mehr als ein einzelnes Entwicklungsprojekt. Das Fahrzeug steht beispielhaft für die Frage, wie sich neue Technologien schneller erproben, bewerten und weiterentwickeln lassen.
Vor allem aber zeigt das Projekt, dass elektrische Antriebskonzepte heute bereits Leistungsbereiche erreichen können, die lange als Domäne klassischer Verbrenner galten.
Die Elektrifizierung der Intralogistik endet nicht bei leichten oder mittleren Anwendungen. Mit FalcOn haben wir einen weiteren Schritt in Richtung elektrischer Schwerlast gemacht – und wertvolle Erkenntnisse gewonnen, die in zukünftige Technologien und Produktgenerationen einfließen werden.